Das Überqueren von Wasserläufen und schwierigem Gelände muss vor jedem einzelnen Schritt neu beurteilt werden. Hier erfahren Sie, wie Sie eine sichere Möglichkeit wählen und wann Sie auf das Weitergehen verzichten sollten.

Die Entscheidung beginnt am Ufer
Bleiben Sie vor dem Betreten des Wassers am Ufer stehen und achten Sie auf Strömungsgeschwindigkeit, Tiefe, Wasserfarbe und Untergrund. Beurteilen Sie auch den Ausstieg gegenüber und den Abschnitt flussabwärts: Bei einem Gleichgewichtsverlust wird eine Person genau dorthin getrieben. Treibende Äste, das Grollen von Steinen und trübes Wasser lassen die Kraft der Strömung schon vor der Überquerung erkennen. Steigt der Wasserstand, ist es vernünftiger, an einem sicheren Ort zu warten oder die Route zu ändern.
Solange die ganze Gruppe noch am Ufer steht, sollten Sie sich einige Fragen stellen. Die Antworten helfen, sowohl die Querung selbst als auch die Situation danach einzuschätzen, insbesondere wenn Sie am Abend denselben Weg zurückgehen müssen. Die Bedingungen können für jedes Gruppenmitglied anders sein, deshalb sollten Sie sie gemeinsam besprechen:
- Gibt es eine Brücke oder eine Umgehung?
- Kann man am Abend auf demselben Weg zurückkehren?
- Was liegt flussabwärts – ein ruhiger Flussabschnitt, Stromschnellen, ein Wasserfall oder Verklausungen?
- Kann jedes Gruppenmitglied die Stelle selbstständig überwinden?
- Was geschieht bei einem Gleichgewichtsverlust?
Wenn ein Sturz schwere Folgen haben kann, verzichten Sie auf die Querung. Auch wenn das Ziel nicht mehr weit entfernt ist, wird die Strömung dadurch nicht schwächer. Ebenso wenig ändern Fahrpläne oder Reservierungen die Bedingungen im Flussbett. Bewahren Sie sich die Möglichkeit umzukehren oder einen anderen Weg zu wählen, solange die Gruppe noch am sicheren Ufer steht.
Wählen Sie eine geeignete Stelle
Suchen Sie einen breiten, geraden Abschnitt mit gut zugänglichem Ein- und Ausstieg; dort ist die Strömung meist flacher und ruhiger. Verfolgen Sie vor dem Annähern an das Wasser, wohin die gewählte Linie am gegenüberliegenden Ufer führt. Stellen oberhalb von Stromschnellen, Wasserfällen, umgestürzten Bäumen und engen Schluchten sollten wegen der möglichen Folgen eines Sturzes umgangen werden. An einer Flussbiegung kann sich an der Außenseite eine tiefe Stelle verbergen, obwohl die Querung von Ihrem Ufer aus günstig erscheint.
Springen Sie nicht über nasse Steine, wenn ein Fehler Sie in eine schnelle Strömung bringen würde. Auch ein Baumstamm ohne Geländer erfordert Vorsicht: Er kann rutschig und morsch sein, und eine Auflage kann erst in der Mitte nachgeben. Eis über Wasser darf nur mit besonderen Kenntnissen beurteilt werden, denn die sichtbare Oberfläche allein bestätigt seine Tragfähigkeit nicht. Bleiben an einer solchen Stelle Zweifel, suchen Sie einen anderen Weg.
Eine Furt zu Fuß erfordert besondere Vorbereitung
Selbst eine flache Strömung kann einen Menschen von den Beinen reißen, deshalb entscheidet nicht allein die sichtbare Tiefe. Einen allgemeingültigen Grenzwert für Strömungsgeschwindigkeit oder Wasserstand gibt es nicht: Das Risiko hängt von Strömung, Untergrund, Temperatur und dem Gelände flussabwärts ab. Berücksichtigen Sie die Fähigkeiten jedes Gruppenmitglieds, denn dieselbe Furt wird von verschiedenen Menschen unterschiedlich erlebt. Wählen Sie im Zweifel eine Brücke, eine offizielle Umgehung, das Warten an einem sicheren Ort oder die Umkehr.
Geplante Furten sollten am besten mit einer qualifizierten Lehrkraft unter kontrollierten Bedingungen geübt werden. So lässt sich verstehen, wie die konkrete Querungsmethode den Einsatz von Schuhen, Stöcken, Rucksackriemen und Sicherungsausrüstung bestimmt. In einer echten Strömung verhält sich ein vertrauter Gegenstand anders, wenn er ohne geeignete Methode verwendet wird. Improvisieren Sie nicht mit einem Seil: Ein fehlerhaftes System kann die Strömung zur Falle machen.
Eine Routenbeschreibung bezieht sich auf die Bedingungen, unter denen die Furt beurteilt wurde; prüfen Sie sie bei Veränderungen erneut. Überdenken Sie den Plan nach Regen oder bei steigendem Wasserstand sofort, selbst wenn die Querung bereits vorgesehen war. Erreicht das stärkste Gruppenmitglied das andere Ufer, beweist das noch nicht, dass die Stelle für alle sicher ist. Die Entscheidung muss sich an der Person orientieren, für die das Überwinden der Strömung am schwierigsten ist.
Geröll, Schneefeld und beschädigter Weg
Halten Sie im Geröll Abstand zwischen den Gruppenmitgliedern, damit ein von oben gelöster Stein niemanden weiter unten trifft. Setzen Sie den Fuß auf einen stabilen Untergrund, bevor Sie das Gewicht verlagern, und verlassen Sie die Falllinie der Steine. Löst sich dennoch ein Stein, warnen Sie die anderen laut, damit die Menschen unterhalb rechtzeitig reagieren können. Versuchen Sie nicht, einen herabfallenden Stein mit den Händen aufzufangen.
Ein Schneehang verändert sich im Laufe des Tages, deshalb kann der Eindruck vom Morgen schon später nutzlos sein. Harter Schnee erfordert mitunter besondere Ausrüstung und die Fähigkeit, einen Sturz zu stoppen. Wird die Schneedecke weich, können sich darunter Einbrüche und Bäche verbergen, die von oben nicht sichtbar sind. Wählen Sie ohne entsprechende Ausbildung und Ausrüstung eine Umgehung, solange der Rückweg noch offensteht.
Betrachten Sie vor einem zerstörten Wegabschnitt den gesamten Hang einschließlich eines möglichen Ausstiegs hinter dem Hindernis. Eine Umgehung ober- oder unterhalb führt mitunter in noch gefährlicheres Gelände, obwohl die ersten Schritte einfach aussehen. Ist keine sichere Linie erkennbar, kehren Sie zum letzten zuverlässigen Punkt zurück. Nehmen Sie von dort Kontakt mit den Verantwortlichen für die Route oder mit dem Rettungsdienst auf, statt die Suche an einem fragwürdigen Hang fortzusetzen.
Nach dem Hindernis
Sobald die Gruppe das Hindernis überwunden hat, überprüfen Sie alle Teilnehmenden und achten Sie besonders auf diejenigen, die nass geworden sind. Wechseln Sie nasse Socken und ziehen Sie wärmende Kleidung an, damit der weitere Weg nicht mit einer Auskühlung beginnt. Markieren Sie das überwundene Hindernis auf der Karte und melden Sie eine gefährliche Beschädigung eines offiziellen Weges der Gebietsverwaltung. Überprüfen Sie anschließend den restlichen Plan unter Berücksichtigung der benötigten Zeit und der Frage, ob sich diese Stelle auf dem Rückweg erneut überwinden lässt.
Üben Sie unter kontrollierten Bedingungen
Den Umgang mit Stöcken, das Gehen im Geröll und die Beurteilung einer Furt lernen Sie am besten mit einer qualifizierten Lehrkraft an einem Ort, an dem ein Fehler keine schweren Folgen hat. Bei einer Übung wird deutlicher, wo die Möglichkeiten der Ausrüstung und die eigenen Fähigkeiten enden. Taucht auf der Route ein unbekannter Abschnitt auf, hilft diese Grenze dabei, rechtzeitig eine Umgehung oder die Umkehr zu wählen. Seil, Steigeisen und Eispickel sind für Menschen hilfreich, die ihre Anwendung erlernt haben und die Risiken des jeweiligen Geländes verstehen.









