Karte und Kompass helfen dabei, die eigene Position und Richtung unabhängig von elektronischen Geräten zu bestimmen. Wir erklären, wie Sie die grundlegenden Techniken erlernen und unterwegs anwenden.

Lesen Sie die Karte
Suchen Sie auf der Karte zuerst nach Maßstab, Legende, Ausgabedatum und Nordpfeil: Ohne diese Angaben lässt sich die Darstellung nur schwer richtig lesen. Bei einem Maßstab von 1:25 000 entspricht ein Zentimeter auf der Karte 250 Metern im Gelände, sodass sich die Entfernung vorab direkt auf dem Blatt abschätzen lässt. Ein gewundener Weg ist länger als die gerade Linie zwischen zwei Punkten; die Gehzeit wird außerdem von Anstieg, Untergrund und Zustand der Gruppe beeinflusst. Berücksichtigen Sie all diese Umstände, wenn Sie den Abschnitt bis zur nächsten Abzweigung berechnen, damit Sie eine Verzögerung nicht fälschlich für einen Navigationsfehler halten.
Höhenlinien verbinden Punkte gleicher Höhe und helfen, sich die Geländeform im Voraus vorzustellen. Dicht beieinanderliegende Linien zeigen einen steilen Hang, weit auseinanderliegende einen sanften; an ihren Biegungen lassen sich Täler, Bergrücken und Sättel erkennen. Vergleichen Sie dieses Muster damit, wie der Hang ansteigt, woher ein Bach fließt und wohin die Straße führt. Wenn die Karte beispielsweise ein Tal erwarten lässt, vor Ihnen aber weiterhin ein Kamm verläuft, sollten Sie Ihre Position noch vor der nächsten Kurve überprüfen.
Verstehen Sie die verschiedenen Nordrichtungen
Die Kompassnadel zeigt zum magnetischen Norden, während auf der Karte der geografische Norden und der Gitternord verzeichnet sein können. Der Winkel zwischen diesen Richtungen hängt von Ort und Zeit ab; ein vertrauter Wert aus einer anderen Region kann deshalb zu einem Fehler führen. Suchen Sie die lokale Abweichung und das Umrechnungsschema auf einer aktuellen Karte oder in offiziellen geomagnetischen Daten. Wenn Sie in unbekanntem Gelände eine Richtung prüfen, hilft ein verlässlicher Wert dabei, die Anzeige des Instruments mit der Karte in Einklang zu bringen.
Wie die Korrektur eingestellt wird, hängt vom Kompassmodell ab. Lesen Sie deshalb vorher die Anleitung für genau Ihr Gerät. Üben Sie mit einer erfahrenen Person, bis die Abfolge verständlich ist und sich das Ergebnis im Gelände kontrollieren lässt. Eine Eselsbrücke ohne Verständnis des Vorzeichens kann Sie in die entgegengesetzte Richtung führen. Ein solcher Fehler wird besonders deutlich, wenn nach mehreren Wegabschnitten der erwartete Orientierungspunkt noch immer nicht auftaucht.
Richten Sie die Karte aus
- Entfernen Sie sich vom Auto, von Zäunen, Telefonen und großen Metallgegenständen.
- Halten Sie den Kompass waagerecht und warten Sie, bis sich die Nadel beruhigt hat.
- Drehen Sie die Karte unter Berücksichtigung der lokalen Abweichung so, dass ihr Norden mit der gewünschten Richtung übereinstimmt.
- Vergleichen Sie zwei oder drei Objekte: eine Brücke, einen Gipfel, eine Straßenkurve oder den Waldrand.
Ein einziger passender Orientierungspunkt kann täuschen: Ähnliche Straßenkurven kommen häufiger vor, als es auf den ersten Blick scheint. Vergleichen Sie noch zwei oder drei Objekte, die in der richtigen Reihenfolge und in passenden Entfernungen liegen. Wenn die Brücke dort zu sehen ist, wo die Karte sie zeigt, und dahinter tatsächlich der Waldrand beginnt, ist die Standortbestimmung verlässlicher. Nach einer solchen Kontrolle lässt sich der nächste kurze Wegabschnitt leichter wählen.
Gehen Sie von Orientierungspunkt zu Orientierungspunkt
Benennen Sie vor einem kurzen Abschnitt gedanklich die erwarteten Merkmale: Der Weg wird einen Bach queren, der Hang wird steiler und danach erscheint eine Abzweigung. Bestimmen Sie am nächsten eindeutigen Punkt erneut Ihre Position, damit der Bezug zur Karte nicht abreißt. Wenn der Bach auftaucht, der Anstieg aber nicht beginnt, bemerken Sie die Abweichung, bevor sich die Gruppe weit entfernt hat. Wiederholen Sie diese Kontrolle entlang der gesamten Route, besonders dort, wo sich die Wege ähneln.
Behalten Sie Gehzeit und zurückgelegte Entfernung im Blick; sie helfen, den Weg mit den Markierungen auf der Karte abzugleichen. Schrittzähler, Uhr und eine aufgezeichnete Strecke liefern nützliche Schätzungen, auch wenn jede Methode eine gewisse Ungenauigkeit hat. Merken Sie sich an einer Abzweigung die gewählte Richtung oder machen Sie eine Notiz, besonders wenn der Wegweiser beschädigt ist. Später hilft diese Aufzeichnung, die Abfolge Ihrer Entscheidungen nachzuvollziehen, wenn Ihnen die Umgebung nicht mehr vertraut vorkommt.
Arbeit mit dem Azimut erfordert Übung
Ein Azimut gibt die Richtung von einem Punkt zu einem anderen an, sagt allein jedoch nichts darüber aus, ob die Linie begehbar ist. Auf dem direkten Weg können sich ein Abbruch, ein Sumpf, dichtes Gebüsch oder ein Fluss befinden, die gesondert berücksichtigt werden müssen. Das Übertragen einer Richtung von der Karte auf den Kompass üben Sie am besten auf einer offenen, vertrauten Fläche und beginnen mit kurzen Strecken. Dort können Sie den geplanten Kurs sofort mit der tatsächlichen Lage des gewählten Objekts vergleichen.
Wählen Sie zum Gehen ein auffälliges Objekt in der gewünschten Richtung, gehen Sie dorthin und wiederholen Sie die Messung. So lässt sich der Kurs zwischen den Kontrollen leichter halten, als wenn Sie ständig auf die Nadel schauen. Bei schlechter Sicht nimmt die Ungenauigkeit zu: Der nächste Orientierungspunkt kann verschwinden, bevor Sie ihn erreichen. Schwierige Passagen unter solchen Bedingungen sollten Sie besser unter Anleitung einer erfahrenen Person trainieren.
Wann Sie anhalten sollten
Wenn der erwartete Bach, die Kurve oder der Sattel nicht rechtzeitig auftaucht, halten Sie an und vergleichen Sie Karte, Zeit, Gelände, Fotos und Track. Diese Angaben helfen festzustellen, auf welchem Abschnitt Erwartung und Gelände nicht mehr übereinstimmten. Kehren Sie nur über einen eindeutigen und sicheren Weg zum letzten zweifelsfrei bekannten Punkt zurück. Wenn Sie auf gut Glück weitergehen, wird das Suchgebiet größer und der ursprüngliche Fehler schwerer zu bestimmen.
Elektronische Navigation ist praktisch, doch das Telefon kann sich entladen, der Bildschirm kann beschädigt werden und eine Datei kann fehlerhaft sein. Bewahren Sie deshalb eine Papierkarte wassergeschützt auf und nehmen Sie einen Kompass als unabhängiges Kontrollmittel mit. Stellen Sie sich vor, der Bildschirm fällt unmittelbar vor einer Abzweigung aus: Wenn Sie das Gelände lesen können, lässt sich die Orientierung fortsetzen. Halten Sie diese Fähigkeit durch regelmäßiges Üben aufrecht, denn ohne Praxis gerät die Abfolge der Schritte nach und nach in Vergessenheit.
Versuchen Sie nach einer Übung, die Route aus dem Gedächtnis wiederzugeben, und vergleichen Sie Ihre Beschreibung anschließend mit der Aufzeichnung. Markieren Sie Punkte, an denen Erwartung und Wirklichkeit auseinanderliefen; daraus erkennen Sie, welche Kontrolle Sie wiederholen sollten. Mehrere kurze Übungen bei unterschiedlichem Wetter festigen die Fähigkeit besser als eine einzige lange Lektion. Besuchen Sie für schwieriges wegloses Gelände und schlechte Sicht einen Präsenzkurs zur Navigation, um Entscheidungen unter Anleitung zu trainieren.









